Achtung: Zecken
Jeder Hundebesitzer, der im Wald, oder in Baum-. oder buschbestandenen Wohn- und Stadtgebieten spaziert, findet gelegentlich auf seinem Hund eine oder mehrere Zecken. Zusätzlich zu den unangenehmen ästhetischen Erscheinungen und den möglichen direkten Folgen des Zeckenbisses kann der Zeckenbefall für die Uebertragung von ernstzunehmenden Infektionskrankheiten verantwortlich sein.
Dieses Risiko ist in gewissen Regionen Europas, in welche die Hunde gelegentlich durch ihre Besitzer in die Ferien mitgenommen werden, noch grösser. Es ist deshalb sehr wichtig, die in solchen Fällen eingegangenen Risiken und die einzuleitenden Vorbeugemassnahmen zu kennen.
Die Zecken - "gefürchtete" Parasiten
Die Zecken sind Spinnentiere die zum Stamm der Arthropoden gehören. Es handelt sich also nicht um Insekten! Diese Klassifikation ist wichtig in Bezug auf die Bekämpfungsmethoden, denn Medikamente mit gleichzeitig guter Wirksamkeit gegen Insekten und Spinnentiere sind selten.
Von ungefähr 800 bekannten Zeckenarten sind nur einige Dutzend auf Haustiere adaptiert und nur einige wenige auf Hunde und Katzen. In Europa sind die wichtigsten Zecken des Hundes Ixodes ricinus, Rhipicephalus sanguineus und Dermacentor reticulatus.
Die häufigste Zecke in der Schweiz ist Ixodes ricinus. Sie wird meistens in Hecken, Büschen und entlang von Waldrändern gefunden. Ixodes ricinus ist häufig Träger von Borrelia burgdorferi, dem Erreger der Borreliose oder "Lyme-Krankheit". Diese Zecke kann aber auch das FSME-Virus, ein Erreger der Zecken-Virusencephalitis auf den Menschen übertragen.
Dermacentor reticulatus wurde 1990 zum ersten Mal in der Schweiz im Freien, im Kanton Genf, nachgewiesen. Diese Zecke ist verantworlich für die Uebertragung der einheimischen Fälle von Hundebabesiose (Piroplasmose). Sie bewohnt buschbestandene Gebiete und Waldränder, aber auch leeres, durch Hecken überwachsenes Baugelände in der Nähe von Wohnsiedlungen.
Rhipicephalus sanguineus ist normalerweise in der Schweiz nicht heirnisch. Es handelt sich jedoch um eine in Frankreich (insbesondere im Mittelmeergebiet) und in zahlreichen anderen Mittelmeerländern verbreitete Zecke. Sie spielt eine ausschlaggebende Rolle bei der Uebertragung von verschiedenen Infektionskrankheiten (Babesiose, Ehrlichiose, Hepatozoonose). Ihr Lebenszyklus ist eng an das Vorkommen von Hunden gebunden. Sie ist in der Lage, sich gut an das sog. Mikroklirna, speziell in Häusern und Wohngebieten anzupassen, nachdem sie im Gepäck oder im Auto, d.h. vom Besitzer unbemerkt, importiert wurde. Diese Zecke bildet deshalb v.a. eine Gefahr für Hunde, die mitreisen oder deren Besitzer in verseuchte Gebiete reisen.
Entwicklungskreislauf der Zecken:
Die Entwicklung der Zecken läuft über 4 Stadien: Eier, Larven, Nymphen und erwachsene Zecken. Die Zecken sind nur vorübergehend Parasiten auf dem Tier und verbringen die grösste Zeit ihres Lebens ausserhalb des Wirtstieres, d.h. in der Umgebung (Hecken, Gebüsch, Wald, usw.).
Allerdings ist für den Uebergang von einem Entwicklungsstadium zum nächsten jeweils eine Blutmahlzeit auf einem Wirtstier unerlässlich. Der gesamte Lebenszyklus kann sich deshalb über die Dauer von mehreren Monaten bis Jahren erstrecken! Er hängt von den klimatischen Verhältnissen, im wesentlichen von Temperatur und Feuchtigkeit ab. Die letzteren bestimmen ebenfalls das jahreszeitliche Aufkommen der Zecken.
In unseren Regionen unterscheidet man im allgemeinen 2 jahreszeitliche Höhepunkte der Zeckenaktivität: Frühjahr (bei günstigen klimatischen Verhältnissen bereits ab Februar) und Herbst im Mittelmeergebiet gibt es aber auch Zeckenarten, die im Sommer aktiv sind.
Der Zeckenbefall des Hundes
Die Zecken beissen sich im allgemeinen an den Körperstellen mit feiner Haut wie Gesicht Ohrmuschel, Schulterhöhlen und Schenkelinnenseite fest Nach dem Einbohren der Mundwerkzeuge in die Haut, produziert die Zecke eine Substanz (= "Zement"), die es ihr erlaubt, sich fest in der Haut zu fixieren. Danach beginnt sie sofort mit ihrer Blutmahlzeit wobei sie abwechselnd Blut saugt und Speichel produziert Die Blutrnahlzeit wird unterteilt in eine erste Phase der langsamen und fortschreitenden Aufnahme und eine zweite; sog. rasche Aufnahme, die 1-3 Tage dauert und während der die Zecke ganz beträchtlich an Grösse zunimmt (d.h. dicker wird). Nur die befruchteten Weibchen saugen sich ganz voll, die Männchen nehmen nur wenig oder gar kein Blut auf. Die durch die Weibchen aufgenommenen Blutmengen sind sehr variabel und abhängig von der Zeckenart Sie sind jedoch immer grösser als die von aussen sichtbare Grössenzunahme der Zecke, da diese die Nährstoffe nach der Blutaufnahme konzentriert und die Flüssigkeit sofort wieder ausscheidet
Krankheiten. die an Zecken-Bisse gebunden sind
Beim Hund können zwei Arten von Krankheiten unterschieden werden, die durch Zecken hervorgerufen werden:
1. Hautreaktionen bzw. Veränderungen an den Biss-Stellen.
2. Uebertragung von Infektionskrankheiten.
1. Krankheitserscheinungen an der Stelle des Zeckenbisses
Diese äussern sich oft durch eine Schwellung (Oedem) und lokalen Gewebetod. Während solche Veränderungen während des ersten Kontaktes eher mässig sind, können sich diese nach wiederholtem Befall verstärken. Der entstehende Juckreiz und das Kratzen können in der Folge Sekundärinfektionen, vor allem durch Bakterien der Gruppe Staphylokokken begünstigen.
2. Die Uebertragung von Infektionskrankheiten
Verschiedene Merkmale der Zecken machen sie zu besonders "wirkungsvollen" Ueberträgern (=Vektoren von Infektionskrankheiten).:
- Die sehr umfangreiche Blutmahlzeit erhöht die Wahrscheinlichkeit dass die Zecke einen infektiösen Erreger aufnimmt, selbst wenn dieser nur in einer schwachen Konzentration im Blut des Wirtstieres vorhanden ist
Die anatomische Zusammensetzung der Zecke ermöglicht die Ausbreitung der krankmachenden Erreger in ihre verschiedenen inneren Organe und garantiert so die gesamte Weiterentwicklung der Zecke von der Larve zur Nymphe, bzw. zur erwachsenen Zecke.
Die erwachsene Zecke ist in der Lage, gewisse krankmachende Erreger auf ihre Eier zu "übertragen" (transovarielle Uebertragung). Dieser Mechanismus hält die Uebertragungsfähigkeit von einer Generation zur nächsten aufrecht
Jede Zeckenart ist Träger von zahlreichen lnfektionskrankheiten.
Um jeglichem Schaden im Zusammenhang mit einem Zeckenbiss vorzubeugen, sollte idealerweise verhindert werden, dass sich die Zecken auf dem Wirtstier festsetzen können. Dies ist jedoch angesichts der Grösse des Parasiten und seiner schwachen Empfindlichkeit gegenüber mehreren herkömmlichen Insektiziden (z.B. Phosphorsäure-Ester) ein sehr schwieriges Vorhaben. Es ist viel schwieriger Zecken zu bekämpfen als Flöhe. Die wirksamen Substanzen gegen Flöhe sind oft enttäuschend um nicht zu sagen unwirksarn gegen Zecken. Eine gute akarizide Wirkung (d.h. gegen Zecken u.a. Spinnentiere gerichtet) ist das erste Kriterium der Wahl eines Anti-Zecken-Produktes.
Sehr häufig wird man sich darauf beschränken müssen, die Zahl der Zecken, die sich auf dem Wirtstier festsetzen können, zu reduzieren und so rasch als möglich diejenigen zu eliminieren, die sich trotzdem noch festbeissen konnten.
Die Verhütung von Zecken übertragen Krankheiten
Der Faktor Zeit ist ausschlaggebend in der Verhütung von Zecken übertragenen Krankheiten. In der Tat werden die meisten infektiösen Erreger erst am Ende der zweiten Phase der Blutmahlzeit übertragen, dann nämlich wenn die Zecke einen beträchtlichen Teil des Speichels von sich gibt. Allgemein wird angenommen, dass die Zecken 48 Stunden auf dem Wirtstier fixiert bleiben müssen, um einen Krankheitserreger "erfolgreich" zu übertragen. Durch die raschmöglichste Elimination der Zecken nach der Fixation wird das Uebertragungsrisiko für eine lnfektionskrankheit beträchtlich vermindert. Die Geschwindigkeit des Wirkungseintrittes ist somit ebenfalls ein Kriterium für die Wahl eines Anti-Zecken-Produktes. Ergänzend dazu ist anzuraten, die nach dem Spaziergang auf dem Hund festgestellten Zecken - am besten mit Hilfe einer Pinzette - manuell zu entfernen (durch fortlaufende Drehung immer in der gleichen Richtung bis sie sich von selbst lösen). Die Möglichkeiten einer Impfung gegen die Zecken übertragenen Krankheiten sind weiter unten beschrieben.
Kriterien für die Auswahl eines Anti-Zecken-Produktes
Ueber die akarizide Wirkung und die Wirkungsgeschwindigkeit der aktiven Substanz (=Wirksubstanz) hinaus sind die Wirkungsdauer, der Einfluss der Lebensweise des Hundes auf die Wirksamkeit des Produktes (Spaziergänge, Bäder...), die Verträglichkeit (insbesondere bei den Jungtieren) und Sicherheit für die Umgebung des Tieres wichtige Charakteristika, die die verschiedenen verfügbaren Produkte auszeichnen.
Auf dem Markt existieren zahlreiche Darreichungsformen wie Halsbänder, "Spot on" oder Spray's.
Die Halsbänder sind praktisch, aber manchmal enttäuschend. Ihre Wirkung kann durch Bäder reduziert werden.
Die sog. Spot-on-Produkte sind Mittel mit hochkonzentrierter Wirksubstanz, von denen man einige Tropfen auf die Haut des Tieres gibt (im allgemeinen auf den Hals und/oder zwischen die Schultern).
Die Wirksubstanz breitet sich anschliessend über den ganzen Körper aus, entweder direkt auf der Hautoberfläche, oder nach Resorption mit anschliessender Ausbreitung über den Blutweg. Die Wirksamkeit gegen die Zecken hängt im wesentlichen von der Wirksubstanz ab.
Die Spray-Form hat den Vorteil, dass dem Tier genau die notwendige Menge (je nach Gewicht und Haarlänge) verabreicht werden kann und dass direkt die Körperregionen behandelt werden können, wo sich die Zecken mit Vorliebe anheften.
Seit kurzer Zeit ist beim Tierarzt ein neuer Spray erhältlich. Dieser Spray enthält Fipronil, ein neuartiges Medikament mit einer guten insektiziden und akariziden Wirkung. Diese Substanz vermittelt einen Schutz von durchschnittlich einem Monat gegen Zecken (und bis zu 3 Monaten gegen Flöhe).
Ihr Tierarzt hat die wirksamsten Produkte für die Zeckenbekämpfung verfügbar und wird Sie gerne beraten.
Impfung
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keinen Impfstoff gegen Zecken. Hingegen existieren Impfungen gegen gewisse Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden. Die Impfung gegen die Babesioselpiroplasmose wird in Frankreich häufig durchgeführt und ist in der Schweiz seit bald 10 Jahren verfügbar. Sie wird empfohlen für Hunde, die sich in verseuchte Gebiete begeben oder dort leben. Da diese Impfung nicht einen absoluten Schutz vermittelt, entbindet sie nicht von der Bekämpfung der Zecken. Beide Massnahmen zusammen bilden die beste Vorbeuge.
Es gibt ebenfalls bereits Impfstoffe gegen die "Lyme-Krankheit". Diese sind zurzeit erst in den USA verfügbar, wo die Erkrankung auch von grösserer Wichtigkeit zu sein scheint. Eine lmpfmöglichkeit dürfte in naher Zukunft auch in Europa verfügbar sein.
Schlussfolgerung
Die Zecken sind gefürchtete, schwer zu bekämpfende Parasiten. Die gute Kenntnis ihrer Biologie und der Krankheiten, die sie übertragen, ermöglicht die Gefahren, die sie für unsere Hunde bilden einzuschätzen.
Es gibt keine "Wunderlösung" gegen die Zecken. Hingegen erlauben die Wahl eines Produktes mit einer guten akariziden Wirkung und eine den Empfehlungen des Tierarztes entsprechende Anwendung die an Zeckenbisse gebundenen Krankheitsrisiken beträchtlich zu verringern.



























